Zwei Thesen:
- Trotz Zunahme der Veloverkäufe in der Schweiz haben FahrradfahrerInnen im Strassenverkehr nach wie vor einen marginalen Stellenwert.
- Velofahren in der Freizeit und im Urlaub wird von verschiedenen Seiten gefördert und beworben; die regelmässige Nutzung des Fahrrades im Alltag interessiert niemand.
Jetzt lachen mir die fröhlichen VelofahrerInnen schon beim Mittagessen entgegen: die
aktuelle Kampagne in den SV Kantinen wirbt für eine gesunde Lebensweise bzw. "Naturerlebnis auf zwei Rädern" und schreit "
Rauf aufs Velo!", Rabatt für ein SUVA Helm oder bei
rent a bike inklusive. Unsere
Touristiker und Vertreter vom
Velofachhandel klopfen sich gegenseitig auf die Schulter (vgl.
PDF mit Verkaufszahlen 2007), Initiativen wie
Veloland Schweiz werden nun auf die
Förderung vom gesamten Langsamverkehr erweitert (Freizeitverkehr, notabene). Zum Start der neuen (Sommer!) Saison werden am 25. April 2008 die News des
breit abgestützten Programms präsentiert und hoffentlich werden dabei auch die beiden Webauftritte "veloland" und "schweizmobil" komplett erneuert, das wäre dringend notwendig! Einzig brauchbarer Service erscheint mir im Moment diese
interaktive Karte.
Veloland Schweiz, sehr schön. Wo bitte bleibt die Förderung vom Velo im Berufsverkehr? Heute ist es wohl "chic" und zeitgemäss, das neue Moutainbike aufs Dach vom neuen Hybrid SUV zu hieven und dann in die Natur hinauszufahren, um eine schöne und/oder sportliche Fahradtour zu machen. Aber mit dem Velo jeden Tag in die Arbeit zu fahren? "Wozu? - ich hab ja ein Auto oder sonst kann ich ja immer noch den ÖV nehmen".
Fahradfahren ist nicht nur im Sommer schön und gesund, nein, die regelmässige Nutzung im Berufsverkehr hat noch (sehr) viel ungenutztes Potential. Und der Kantinenbetreiber SV-Service hat genau diese Zielgruppe regelmässig zu Gast! Da wäre doch ein Engagement bei
bike to work viel wirkungsvoller (aber eben nicht so sexy wie Werbung mit Urlaubsbildern...). In meinen Augen eine verpasste Chance, aber auch ein Hinweis für die Kollegen von
Pro Velo Schweiz, die BIKE TO WORK (Florian hat
hier auf AUTOLOS berichtet) bereits zu einer beachtlichen Grösse und Relevanz gebracht haben (diese Jahr haben sich über 860 Betriebe angemeldet, die detaillierte
Liste als PDF file)
Tatsache ist: die
konkrete Förderung vom Fahrradverkehr in den Städten lässt weiterhin auf sich warten: hier ein Radstreifen, da eine neue Einbahnregelung, dort ein neuer Abstellplatz. Grosse Würfe gab es seit der Jahrtausendwende keine, weder bauliche Massnahmen noch die Schaffung von finanziellen Anreize, das Fahrad für auf dem Weg in die Arbeit zu benutzen. Da diskutieren diverse Kantone vom selbsternannten "Veloland Schweiz" doch lieber neue Subvention von Motorfahrzeugen mit (etwas) weniger Treibstoffverbrauch und fördern damit den motorisierten Strassenverkehr. Ein völliger Schwachsinn.