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Norman Foster sieht in Autos keine Zukunft

Norman Foster (73) gehört zu den einflussreichsten und bekanntesten Architekten der heutigen Zeit und ist Träger des Pritzker-Preises.

Zu seinen zahlreichen Projekten gehören unter anderem das Wembley Stadium in London, der Dresdner Hauptbahnhof, die Metro von Bilbao (Spanien), die Expo MRT Station in Singapur, die Millenium Bridge in London und der internationale Flughafen von Hongkong.

Umso mehr freut es mich, wenn eine solch einflussreiche Person sich in einem Interview mit der deutschen "Zeit" stark macht für moderne Mobilität und sich gegen fossile Treibstoffe stellt.

Ein paar Zitate aus dem Interview:

"Natürlich, das Auto hat unsere Städte komplett verändert, plötzlich konnte man weit draußen wohnen, und die Landschaft wurde zersiedelt. Aber das Auto wird an Bedeutung verlieren, wir müssen wegkommen vom Öl, wegkommen von Transportmitteln, die dem Klima schaden. Und das heißt in der Konsequenz: Unsere Städte werden sich wiederum verändern. Wir erleben gerade einen Epochenwechsel."

"Das liegt vor allem daran, dass wir hier in Europa und auch in den USA furchtbar lahm sind in unserem Denken. Aber schauen Sie sich an, was im Nahen Osten passiert, in Abu Dhabi zum Beispiel. Dort bauen wir gerade Masdar, die erste CO₂-neutrale Stadt der Welt, für über 50000 Bewohner. Die Verantwortlichen dort sind ungeheuer schlau, die warten nicht, bis ihnen das Öl ausgeht, die fangen heute damit an, für eine Zukunft ohne Öl zu planen. Stellen Sie sich vor, schon 2018 soll die Stadt stehen. Das ist ungefähr so, als wollten wir in zehn Jahren den Mond besiedeln."

"Wir wissen weiterhin nicht, wie wir das hinbekommen werden. Viele technische Lösungen müssen wir erst noch entwickeln, wir brauchen neue, intelligente Materialien, ein neuartiges Glas zum Beispiel, das nicht nur gut isolierend wirkt, sondern auch noch wie eine Solarzelle funktioniert und Energie produziert."

"Wir müssen überlegen, welche Alternativen wir zum Auto anbieten können. Nur so können wir unser Ziel erreichen: eine Stadt, die ihren eigenen Strom, ihr eigenes Wasser produziert und ohne fossile Brennstoffe auskommt."

"Ich beobachte schon heute, dass es für viele Menschen der größte Luxus ist, nicht mit dem Auto fahren zu müssen. Es ist ein Luxus, alles zu Fuß erreichen zu können, den Obsthändler, den Arzt, das Kino. Deshalb sind ja die Lagen in der Innenstadt oft ungeheuer begehrt, in London zum Beispiel Notting Hill oder Chelsea."

"Wir müssen verhindern, dass die Zersiedelung weiter fortschreitet, schon wegen des Klimawandels kann es nicht sein, dass unser Lebensmodell mit den vielen kleinen Einfamilienhäusern überall kopiert wird. Deshalb brauchen wir Dichte, wir brauchen Hochhäuser, die ein grünes, menschenfreundliches Leben in der Höhe ermöglichen. Und technisch lässt sich das ja durchaus machen, das haben wir in vielen Projekten gezeigt, denken Sie nur an den Commerzbank-Turm in Frankfurt. Viele unserer Gebäude sparen Energie, und sie schaffen ein viel angenehmeres Arbeits- und Wohnklima. Unsere Architektur hat eine technische und eine soziale Dimension."

"Ich bin in diesem Jahr wieder beim Engadin Skimarathon mitgelaufen, das hat mir wirklich sehr großen Spaß gemacht. Es war ein starkes Läuferfeld, ich habe mich aber, glaube ich, ganz gut gehalten. Das ist ein Vorteil, wenn man hier in der Schweiz lebt, man hat die Berge, man hat den Schnee. Auch wenn ich Rad fahren will, muss ich nur mein Fahrrad aus dem Haus holen, und los geht’s. In London ist das viel mühsamer: erst ins Auto, dann eine Stunde fahren, dann aufs Rad, dann wieder eine Stunde im Auto."


Nur dass Flugzeuge noch umweltschädlicher sind als Autos, das muss man ihm wohl noch beibringen... ;-)

Das ganze Interview gibt es hier zu lesen: Norman Foster: Wir brauchen Hochhäuser


Tyler Brûlé outet sich als Velo-Fan!

Eine Vorliebe für gutes Design und Luxus heisst nicht automatisch grosses und teure Autos. Tyler Brûlé gab in seinem Interview im Magazin vom Tages-Anzeiger seine Ansicht über trendige Verkehrsmittel zum Besten:

Das Magazin: "Haben Sie nie ein schlechtes Gewissen wegen Ihrer Vielfliegerei?"
Tyler Brûlé: "Nie. Es gehört zu meinem Job, ich tue sonst, was ich kann für die Umwelt. Ich bin ja kein Auto-Guy, sondern ein Velo-Fan. Ich kann an keinem Veloladen vorbeigehen, ohne hineinzusteuern.Und wissen Sie was? Wenn Sie wirklich hip sein wollen, sollten Sie nur noch Velo fahren, besonders wenn Sie in einer Stadt wohnen. Leider hat man das in London noch nicht begriffen, ich glaube, die Schweizer sind in dieser Hinsicht die wahren Trendsetter."

Das nenn ich ein Vorbild!
und wer sich gerne wiedereinmal eine Zeitschrift als hard copy zu Gemüte führen will, gibt es fast an jedem Kiosk! MONOCLE


wrap your car!

Auf diesen Beitrag von Dieter bin ich leider zwei, drei Tage zu spät aufmerksam geworden, die Idee ist aber auch nach dem 1. Juni noch hochaktuell, watch this one!



Strassen zum Leben und nicht zum fahren

Eine Strasse zum Leben und nicht zum fahren.Vor allem in den Städten gibt es glücklicherweise immer mehr Strassen sogenannte Begegnungszonen. Diese gibt es seit Januar 2002 auf gesetzlicher Basis. Die Anforderungen sind sehr gering, so dürfen etwa keine Fussgängerstreifen angelegt werden und der Eingang zu einer solchen Zone muss durch ein Tor oder etwas torähnliches signalisiert werden. Die Höchstgeschwindigkeit ist 20 km/h.

Vorteile gibt es viele. So ist eine solche Zone ruhiger, weil die Autos weniger und langsamer durchfahren. Die Sicherheit ist ebenfalls höher, weil durch die tiefere Geschwindigkeit der Bremsweg kürzer wird. Fussgänger dürfen die ganze Fahrbahn benützen, wenn sie den Verkehr nicht unnötig stören. Auch haben die Fussgänger ein Vortrittsrecht gegenüber Fahrzeuglenkern.

Trotzdem sollte man auch immer an den Langsamverkehr denken. Denn um den Verkehr zu beruhigen - auch ausserhalb diese Begegnungszonen -, wird häufig mit versetzt angeordneten Parkplätzen gearbeitet. Das ist zwar recht effektiv, hat aber gewichtige Nachteile. So können Autos und Velos oft nicht einfach so kreuzen, denn die Fahrbahn ist schlicht und einfach zu schmal. Das behindert neben den Autofahrern natürlich auch die Velofahrer. Kinder, die draussen spielen können nicht auf die durchfahrenden Autos sehen und umgekehrt. Hinter geparkten Autos plötzlich auftauchende Verkehrsteilnehmer sind ebenfalls gefährlich und gerade Kinder auf Velos können über die parkierten Autos nicht hinwegsehen.

Meiner Meinung nach dürfen Quartierstrassen gerne mit Hindernissen wie breiteren Trottoirs, Blumenrabatten, etc. beruhigt werden, allerdings muss genügend Platz für Velo und Auto bleiben. Auch gehören meiner Meinung nach nicht neue Parkplätze in die Wohnquartiere, denn dadurch wird die Attraktivität des Autos gestärkt.

Solche Begegnungszonen sind sehr wichtig, machen sie ein Quartier doch viel wohnlicher.


Auto stehen lassen: 2'950 Euro weniger Stau- und Umweltkosten

Folgende Aussage habe ich bei oekonews.at gefunden:

"Jeder Pendler, der im Ballungsraum vom Auto auf Öffentliche Verkehrsmittel umsteigt, spart der Allgemeinheit rund 2'950 Euro an Stau- und Umweltkosten."

Wenn man nun wüsste, wieviele Menschen aus den Ballungsräumen der grossen Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dem ÖV statt mit dem Auto zur Arbeit fahren, dann könnte man mal ausrechnen, wieviele Euros dadurch eingespart werden.

Wer also genaue Zahlen hat: Her damit! :)

Ein kleines Beispiel kann ich aus meiner Erfahrung als Zugbegleiter machen: Wenn ich jeweils eine Frühtour habe und am Morgen die Pendler aus dem Raum Wädenswil und Thalwil nach Zürich bringe, sind dies ungefähr 180 Menschen pro Zug, welche in diesen beiden Stationen zusteigen. Gehen wir nun davon aus, dass diese Menschen jeden Tag den Zug nehmen, um zur Arbeit zu gelangen. Dann wären dies (den österreichischen Zahlen zufolge) jährlich rund 531.000 Euro (867.000 Franken) welche eingespart werden. Eine beachtliche Zahl!

Natürlich kann man die Zahl aus Österreich (2'950 Euro) nicht 1:1 auf Schweizer Verhältnisse übernehmen. So grob geschätzt wird sie vermutlich aber schon stimmen.


Buch über das Verbot von Kraftfahrzeugen in Graubünden

Rückblickend ist es noch gar nicht so lange her, dass im Schweizer Kanton Graubünden ein vollständiges Autoverbot gab. Dieses Verbot von Kraftfahrzeugen galt fast durchgehend von 1900 bis 1925, nicht weniger als zehn Volksabstimmungen vergingen bis die Motorisierung auf den Bündner Strassen Einzug hielt.
Stefan Hollinger stellt in seinem neuen Buch "Graubünden und das Auto" die Kontroversen im Detail dar und hat sein Werk in dieser Gratiszeitung (PDF, Seite 16) zusammengefasst.
Hier zwei, drei Leseproben:
Die Ergebnisse zeigen, dass monokausale und stereotype Erklärungen, wie die Annahme einer grundsätzlichen modernitäts-, technik- und fortschrittsfeindlichen Haltung der Bündner Landwirte und Fuhrleute, zu kurz greifen, um ein derart komplexes und vielschichtiges Phänomen wie den Widerstand gegen die Motorisierung zu erklären.


und weiter:
Im Mittelpunkt der Automobilkritik stand die Diskrepanz zwischen dem
auf die Erfüllung eines individuellen Bedürfnisses der Automobilisten ausgerichteten Nutzen
auf der einen und den negativen Begleiterscheinungen, welche der motorisierte Verkehr
der Allgemeinheit aufzwang, auf der anderen Seite. Die Akzeptanz der Automobiltechnologie
war also wesentlich davon abhängig, ob es gelingen würde, die Kosten und Nachteile
des neuen Verkehrsträgers zu minimieren und den gesamtgesellschaftlichen Nutzen zu
steigern.


und schliesslich:
Der Widerstand gegen den Kraftfahrzeugverkehr war in solchen
Gemeinden besonders stark, welche auf Grund ihrer Lage entlang einer Zufahrtsstrasse
zu den Tourismuszentren oder zur Hauptstadt damit rechnen mussten, von den Automobilisten
bloss durchfahren zu werden. Die negativen Begleiterscheinungen des Automobilverkehrs
(Verkehrsunsicherheit, Lärm, Staub, Strassenunterhaltskosten) erschienen den
Bewohnern solcher Transitgegenden ein unverhältnismässiger Preis für die wirtschaftlichen
Vorteile, die daraus andernorts resultierten.


In meinen Augen gibt es hier durchaus Parallelen zu dem aktuellen Widerstand gegen die Transitlawine in den Alpen, sei es im Tirol (Austria) oder in Uri und in der Leventina (Schweiz). Die vorliegende Arbeit von Stefan Hollinger zeigt uns, dass die Auto Dominanz in unseren Dörfern und Städten keine "gottgegebene" Tatsache ist, sondern eine durchaus umstrittene Entwicklung der letzten Jahrzehnten und daher durchaus in Frage gestellt werden muss.

p.s. Mich würde interessieren, ob Herr Hollinger privat AUTOLOS unterwegs ist...
;-)
so oder so, vielleicht können wir den Autor zu einem Gastbeitrag animieren, aber ich freue mich auch auf einen Kommentar!


Acht gegen vier Räder

Gestern startete der Monday Night Skate in Zürich, am 5. Mai folgen Genf, Basel, Kreuzlingen und Luzern.

Der Monday Night Skate (MNS) ist wirklich etwas geniales: 200 bis 300 Leute auf Inlineskates, die durch die Stadt brausen. Die Route und der Startort kann immer auf mondaynightskate.ch nachgeschlagen werden. Auch findet man immer am frühen Abend den Bescheid, ob es überhaupt stattfindet, denn die Inlineskater sind bekennende Schönwettertypen (bei schlechtem Wetter würden sie auch alle in der erstbesten Kurve auf die geschützten Gelenke fallen :-D).

MNSs finden in diesen Schweizer Städten statt: Aarau, Basel, Biel, Chur, Genf, Kreuzlingen, Luzern, Zug und Zürich.

Von Langsamverkehr kann bei manchen Strecken gar nicht mehr die Rede sein, denn die Schlange wälzt sich durch die Stadt in oft schneller als Autos - auf die etwas langsameren wird aber immer wieder gewartet.

Grossartig finde ich vor allem, dass für diesen Anlass extra die Strassen kurzzeitig abgesperrt werden, damit sich die Inlineskater selbst durch ansonsten dichtest befahrene Stadtteile und Strassen bewegen können. So wird jede zweite Woche am Abend dem motorisierten Verkehr etwas Platz weggenommen und für eine schöne Fahrt durch die Stadt verwendet.


CHF 250'000 sehr gut investiert

Der folgende Beitrag wurde von Jürg Stuker geschrieben. Er ist CEO der St. Galler Firma namics und schreibt in diesem Gastbeitrag, weshalb namics lieber den öffentlichen Verkehr als das Auto benutzt. Und nun übergebe ich das Wort an Jürg Stuker:

namics-im-Zug

Ja, dass namics wenn immer möglich mit dem öffentlichen Verkehr reist, ist ein Kulturelement. Für mich selbst ist es aber auch nicht anders zu denken und zudem ist es betriebswirtschaftlich scharf überlegt.

Wie wäre es mit der Arbeitszeit? Der Zug ist ein sehr guter, störungsfreier Arbeitsplatz. Fast schweizweit mit vernünftigem Internet-Zugang (ausser die schlechte Verbindung zwischen Zug und Zürich verstehe ich nicht) und auf den grossen Strecken mit Steckdosen (zur Zeit tanke ich grad zwischen Lugano und Chiasso ;-) Das Auto-Argument, dass sich dort Telefone besser erledigen lassen, halte ich für Blödsinn. Bin ich selbst auch immer wieder Opfer von Leuten, die mich zu Pendelzeiten ohne Unterlagen in der Hand belabern. Übrigens halte ich Telefongespräche (mit Inhalt) im Zug auch für problematisch.

Und nun zur Planbarkeit. Autofahren ist für mich zu kompliziert. An welchem Wochentag, auf welcher Strecke und in welcher Fahrtrichtung muss ich je nach Wetter, Schulferien, Baustellenlage, Feiertagen u.s.w. um welche Zeit wie viel Reserve einrechnen? Und das mit dem Resultat, dass ich entweder 25 Minuten zu früh oder 10 Minuten zu spät bin.

Ausser ich bleibe im Bett liegen, bin ich täglich mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs und fahre an mindestens 15 Tagen im Monat mit dem Zug. Erinnern kann ich mich vor allem an sekundengenaue Abfahrten und minutengenaue Ankünfte. Und in den extrem seltenen Verspätungsfällen waren kaum nur die Nutzer des öffentlichen Verkehrs zu spät.

Häufig treffen sich namics Mitarbeiter geplant auf Zügen, um an Themen und Projekten zu arbeiten (Meeting im ICE 270). Die „berühmte“ Vorbereitungsstunde vor dem Workshop oder das gemeinsame Finalisieren des Protokolls danach. Aber auch der Zufall hat seinen Scharm. Einige Kolleginnen oder Kollegen treffe ich so regelmässig per Zufall auf dem Zug (namics trifft sich im Zug), so dass ich mir aufschreibe, was ich mit ihnen besprechen will. Sehr effizient und weniger belästigend als Störungen im Augenblick!

Und nun noch zur Sicherheit. Nach einem langen Arbeitstag würde ich mir eine Autofahrt als Fahrer nicht mehr zutrauen. Sich im Zug sicher fahren zu lassen und dabei beispielsweise Musik zu hören ist für mich Lebensqualität, die ich nie mehr missen will.

Und was hat das mit namics zu tun?

Alle Schweizer namics Offices sind bewusst sehr nahe bei Bahnhöfen: Zürich 1 Minute, Baar 3 Minuten und St. Gallen 5 Minuten je zu Fuss. Auch in Frankfurt sind wir mit 5 Minuten sehr nahe beim Hauptbahnhof.

Alle Mitarbeiter bekommen von namics ein Halbtaxabo. Die Vielreiser haben zudem ein Generalabonnement 1. Klasse. Es sind über 30 Stück an der Zahl. Und schlussendlich bezahlen wir Autospesen nicht, ausser mit SEHR guten Argumenten. Taxis sind ok.

Die Zahl von CHF 250’000 im Titel des Posts ist übrigens unser Umsatz bei der SBB und der Deutschen Bahn im letzten Jahr oder eben eine unserer besten Investitionen.

Bild © (cc) stejan (flickr.com)


Warum das Auto besser ist als die alternativen Fortbewegungsmittel

Flickr Velaia (ParisPeking)

Warum das Auto besser ist als die alternativen Fortbewegungsmittel, oder anders formuliert:

"Was hindert Dich daran, auf Dein Auto zu verzichten?"

Diese Frage stellte ich vor ein paar Tagen hier auf autolos.com. Rund 30 Antworten habe ich seither erhalten. Vorallem auf brainr.de gab es interessante Einblicke in die Autofahrer-Köpfe. Einige brauchbar, andere weniger. :)

Was ich immer wieder höre, sei es nun im Privaten oder auch bei meiner Arbeit, ist das Argument "Unabhängigkeit". Mit dem Auto sei man nun einfach ein mal unabhängiger als mit anderen Fortbewegungsmitteln. In Einzelfällen mag dies zutreffen; wer auf dem Land wohnt, in der Nähe einer Haltestelle, welche nur alle zwei Stunden von einem Bus bedient wird, der will natürlich nur bedingt auf sein Auto verzichten. Und wer um 03:00 Uhr nachts dringend irgendwohin muss, der hat es mit einem Auto einfacher.

Und trotzdem kann man meiner Meinung nach auf ein eigenes Auto verzichten. In Situationen, welche einen PKW erfordern, kann man ja immer noch auf Mobility & Co. ausweichen. Während des Tages jedoch ist man in Regionen, welche durch den ÖV gut erschlossen sind, inzwischen meistens schon fast unabhängiger, wenn man nicht mit dem Auto reist: Keine Parkplatz-Suche in der Innenstadt, gute Umsteigeverbindungen von / auf Bus, Bahn und Schiff, keine Staus. Zumindest auf die Schweiz trifft dies zu. Ausserdem kann man in den Zügen und Bussen arbeiten, lesen, schlafen oder in seinen Gedanken versinken... Das nenne ich Unabhängigkeit!

Gewohnheitstier Mensch

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wer mit einem Auto aufgewachsen ist oder sich jahrelang nur mit Autos fortbewegt hat, der hat Mühe, auf den ÖV umzusteigen. Umgekehrt: Wer (wie ich) ohne Auto, dafür mit dem ÖV aufgewachsen ist, der versteht nicht, wie man so auto-abhängig sein kann und wieso ein Leben ohne Auto so unvorstellbar sein soll. (Zu diesem Thema werde ich übrigens demnächst noch schreiben: "Taxi Mama - Wieso es unklug ist, die Kinder zur Schule zu fahren")

Wie bringt man einen Menschen dazu, seine Gewohnheiten zu ändern? Darüber sollten sich die ÖV-Unternehmen mal Gedanken machen. Die tollen Werbeplakate sind ja gut und recht, nur meistens erreichen diese nur die bereits bestehenden Kunden. Die Unternehmen sollten die potentiellen ÖV-Kunden dort abholen, wo der Individualverkehr Schwächen hat:

Die Spritpreise sind wieder einmal gestiegen? Super, schickt sofort ein paar Mitarbeiter an die Tankstellen und lasst die Flyer mit den Preisen der ÖV-Fahrausweise verteilen!

Es staut sich wieder einmal auf der Autobahn? Genial, (falls erlaubt) schickt Mitarbeiter zu den stehenden Autos und lasst sie Werbung für den ÖV machen. Alternativ könnte man auch ein Kleinflugzeug in die Luft schicken, welches ein Werbebanner hinter sich herzieht und so dem Stau entlang fliegt. Oder wie wäre es mit Feldwerbung an Autobahnstrecken, welche äusserst stau-anfällig sind?

In der Zürcher Innenstadt steht ein Auto im Parkverbot, die Busse klemmt schon unter dem Scheibenwischer? Nicht schlecht, klemmt doch gleich noch einen Zettel unter den Wischer mit der Info, wie viele Tage der Besitzer mit dem für die Busse auszugebenden Geld das Zürcher Stadtnetz hätte benutzen können! Beispiele gäbe es noch viele.

Reisedauer & Preis

Ein anderes Argument, das ich immer wieder mal höre: "Der ÖV ist zu langsam." Ist das wirklich so? Ja, der ÖV ist vielfach langsamer. Aber die Unterschiede liegen beinahe immer im tiefen Prozentbereich. Wer die Reisezeiten zwischen ÖV und IV einmal vergleichen will, kann die folgenden Websiten besuchen:

Deutschland
ÖV: bahn.de
IV: viamichelin.de

Schweiz / Liechtenstein
ÖV: sbb.ch
IV: viamichelin.ch

Österreich
ÖV: oebb.at
IV: viamichelin.de

Im gleichen Atemzug wie die Reisedauer wird jeweils auch der Preis genannt. Der ÖV sei schlicht und einfach viel zu teuer! Ich frage mich: Wieso hält sich dieses Gerücht über Jahre hinweg? Schauen wir uns doch einfach einmal die Fakten an:

Ein IV-Kilometer kostet in der Schweiz im Schnitt CHF 0.76 (Quelle: TCS) und in Deutschland und Österreich EUR 0.55 (Quelle: ADAC).

Zwei Beispiele:

Die Strecke München - Hamburg dauert mit der Bahn 6:53 Stunden und kostet im Normalpreis 122.00 Euro. Mit dem Auto ist man 14 Minuten schneller (3.4%), man bezahlt aber für die 774 Kilometer stolze 425 Euro, also das 3.4-fache. Hier lohnt sich das Auto aus finanziellen Gründen erst, wenn vier erwachsene Personen ohne Ermässigungskarten eine Reise machen wollen.

In der Schweiz braucht man von Chur nach Genf 4:06 Stunden und die Reise kostet ohne Halbtax (Ermässigungskarte 50%) genau 101.00 Franken. Mit dem Auto reist man 4:05 Stunden (= 1 Minute weniger) und man bezahlt für die 394 Kilometer um die 295.50 Franken. Immerhin fast das Dreifache!

Die Zeit- und Preis-Argumente sind also nicht wirklich stichhaltig. Es handelt sich dabei eher um Ausreden. Es gibt nicht wirklich viele Punkte, welche für ein eigenes Auto sprechen. Insbesonders dann nicht, wenn man die Möglichkeit hat, in "Ausnahmesituationen" ein Auto zu mieten. Oft ist es einfach nur der innere Schweinehund, welcher das Umsteigen verhindert.

Zum Schluss noch einige witzige Antworten, welche ich auf meine Frage bei brainr.de erhalten habe. Was hindert Dich daran, auf Dein Auto zu verzichten?:
  • Die Frau natürlich
  • Mein Mann
  • meine Dummheit
  • meine asoziale Ader
  • meine fehlende Intelligenz
  • meine 150 kg
  • meine Lust an der Zerstörung der Umwelt
  • ich liebe es stundenlang durch die Gassen einer Stadt zu fahren und einen Parkplatz zu suchen
  • mit der Bahn bequem in die Stadt - ist doch nur was für Weicheier
  • Ich liebe Staus
Na dann, allseits gute Fahrt! ;o)

Bild © (cc) Velaia (ParisPeking) (flickr.com)


Veloweltstadt Kopenhagen

Kopenhagen, die Hauptstadt von Dänemark, macht es vor. Dort kann man an insgesamt 110 Stationen Velos gratis ausleihen für ein Depot von 20 Kronen (ca. 4,50 Sfr.).

Doch nicht nur das macht die Stadt am Öresund hat auch grüne Wellen bei den Verkehrssignalen, die es den pendelnden Velofahrerinnen ermöglichen, rasch vorwärts zu kommen. Es gelten spezielle Vortrittsrechte für die Velofahrer und so wälzt sich jeden Morgen eine Lawine von Pendlern aus den Vororten in die Stadt.

Sagenhafte 36 % der Arbeitnehmer in Kopenhagen fahren mit dem Velo zur Arbeit. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Neuwagen unter 20'000 Franken nicht zu bekommen sind und es in der Innenstadt kaum Parkplätze gibt.

Für Reisende gibt es auch Mietvelos in vielen Hotels. Damit kann die Stadt und die Umgebung gemütlich besichtigt werden.

Die zwei folgenden Videos illustrieren diese täglichen "Critical Mass"-Aktionen.





[via SonntagsZeitung]


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Aktuelle Kommentare

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Andreas Kyriacou • 2008-10-15 20:53

ok, verstehe. Es wäre doch...
Florin Jaeger • 2008-10-12 20:53

Fristen
Andreas Kyriacou • 2008-10-11 18:44

die Geschichte mit dem georfeigten...
velofahrer • 2008-10-11 08:43

Der voraussichtliche Abstimmungstermin...
Georg Birkner • 2008-10-09 21:14

tolles Sammelergebnis - Gratuliere!...
Florin Jaeger • 2008-10-09 10:57

Solchen Spam möchte ich auch...
Florian Schreier • 2008-10-06 12:55

kann mich an dein posting erinnern...
Florin Jaeger • 2008-10-03 15:25

tja...
chm • 2008-10-03 13:10

Medien?
Andreas Hobi • 2008-09-21 13:51

das ist der moderne way of life,...
fussgänger • 2008-09-17 22:11

Schon lange autolos
LM • 2008-09-15 14:56

@Dave: danke für dein feedback...
Florin Jaeger • 2008-09-15 14:32

Das ultimative Velo
dave • 2008-09-15 09:53

brainstorming klingt gut - werde...
Florin Jaeger • 2008-09-11 11:39

Gesucht: kein Auto, aber das ultimative...
Martin • 2008-09-10 22:37

anti-suv-initiative - brainstorming...
amade.ch • 2008-09-10 17:13

auf jeden Fall
alex • 2008-09-09 12:51

den labelgedanken finde ich echt...
Pidi • 2008-09-08 09:41

PARK(ing)
Georg • 2008-09-05 10:15

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