Wie jedes Jahr hat der Verkehrsclub der Schweiz (
VCS) seine aktuelle
Auto-Umweltliste präsentiert. Es ist ein Leitfaden zum Autokauf und wurde mit viel TraTra den Medien präsentiert (vgl. z.B. den
Bericht der NZZ).
Zitat von Daniel Goeudevert, bis 1993 leitender Manager in der Autoindustrie:
«Wir brauchen nicht bessere, sondern andere Autos». Sein vollständiges
Interview als PDF, die Medienmitteilung und das Referat von Franziska Teuscher gibt es
hier auf der VCS Seite (Bemerkung am Rande: Lieber VCS, wie wäre es mit einem Relaunch des Online Auftritts von VCS-ATE?...)
Ich habe den Eindruck, dass diese Argumentationskette ("neues Auto gekauft, aber reines Gewissen weil umweltfreundliches Modell... etc.") eine gefährliche Dynamik bekommt. Sogar die Autoindustrie hat erkannt, dass
"(...) Alternative Antriebssysteme für das Überleben einer Marke immer wichtiger [werden]" (aus der
NZZ Beilage Mobil von gestern Dienstag 4. März).
Sogar Die Politik in der Schweiz will nun finanzielle Anreize schaffen und
umweltfreundliche Modelle mit einem Bonus vergünstigen (!), sprich weitere Anreize für den Autokauf schaffen.
Dieser Schuss geht nach hinten los, das hat sogar der VCS erkannt:
Adrian Schmid, Leiter Politik und Kampagnen beim VCS, meint, ein Bonus-System sei eine krasse Benachteiligung all jener, die kein Auto besitzen. (Zitat aus dem oben verlinkten Beitrag auf espace.ch).
Für mich ist es durchaus OK, wenn bei der Kaufentscheidung das Kriterium "Umweltverträglichkeit" einen immer wichtigeren Stellenwert bekommt (der Stromverbrauch bei Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik ist auch schon lange ein Kaufkriterium).
Die Coop Zeitung publizierte dazu diese Woche die
Ergebnisse einer LINK Meinungsumfrage (vgl. Abbildung oben, Quelle
epaper, Detailergebnisse als
pdf file hier). Diese (positive) Entwicklung darf aber nicht dazuführen, dass die Anzahl der Autos weiterhin stark steigt, gerade in den Schwellenländern ist dieser Nachholbedarf / diese gefährliche Entwicklung extrem (einen guten
Artikel über billige Autos in Indien gab es vor einigen Monaten im
NZZ Folio "
Auto der Zukunft")
Chefredakteur der Coop Zeitung
Matthias Zender bringt es auf den Punkt:
"(...) Vielleicht
ist die Technik auch gar nicht der richtige Ansatz. Werfen wir noch einmal einen Blick in
die Statistik: 30% der Autofahrten sind nicht länger als 3 km, 45% nicht länger als 5 km. Strecken, die problemlos zu Fuss oder mit dem Velo zu bewältigen sind. Kurz: Das Problem der Mobilität liegt nicht beim Auto, sondern in unseren Köpfen.
mein persönliches Fazit:
nur kein (eigenes) Auto ist wirklich umweltfreundlich.
p.s.
@Matthias Zender: es wäre toll, wenn dein Editorial nicht nur im Print und PDF, sondern auch in deinem Blog erscheinen würde, dann könnte wir dich besser verlinken. Danke.
update von 10:19h Das Editorial von Matthias Zender
online in seinem Blog