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Neuanschaffung oder altes Auto weiterfahren?

Der Absatz von sparsamen Fahrzeugen boomt: in Deutschland wurden in den letzten Monaten 43% mehr SMART zugelassen als in der Vorjahresperjode (ob der SMART ein sparsames Auto ist sei dahingestellt). Hybridfahrzeuge gehen weg wie warme Semmeln, wer Geld hat und ein (vermeintlich) reines Gewissen haben möchte, kauft sich ein Auto mit Hybridantrieb. Dabei geht vergessen, dass die grösste Umweltbelastung bei der Herstellung von neuen Autos entsteht:

Das heisst, zwei Drittel der Umweltwirkung fallen bei der Herstellung an. Folglich ist es zweifelhaft, einen Benzinschlucker so rasch wie möglich durch ein Hybridfahrzeug zu ersetzen. Gesamthaft betrachtet, scheint es ökologischer, den alten Wagen, in dem viel Energie und Umwelt stecken, noch eine Weile weiterzufahren.
Quelle: Das Magazin, Ausgabe vom 27. Juni 2008

Thomas Schenk bringt es auf den Punkt:
Erstens schneiden Carsharing-Modelle besser ab als exklusiver Besitz; bei Mobility teilen sich vierzig Mitglieder ein Fahrzeug, wodurch erheblich weniger Energie und Materie in die Produktion fliessen. Wer zweitens nicht auf ein neues Auto verzichten will, soll eines wählen, das in seiner Kategorie möglichst sparsam ist; ob Klein- oder Geländewagen, beide sind die nächsten fünfzehn Jahre auf der Strasse. Und wer drittens etwas für die Umwelt tun will, fährt wenig Auto, egal ob er eines besitzt oder mietet

In der Schweiz wechseln viele Autobesitzer alle zwei, drei Jahre den Wagen und vergessen dabei, dass ein Verzicht auf ein eigenes Auto eigentlich der bessere Weg wäre.

p.s.
Lesetipp in der NZZ: Autogiganten am Abgrund


Unerwünschte Autowerbung und Pseudo Umfragen zum Thema Auto

In den vergangenen Wochen haben uns LeserInnen berichtet, dass sie via e-mail unerwünschte Anfragen erhalten haben, hier zwei Beispiele:

header grosse auto-umfrage

Die Umfrage der Automobilindustrie (vgl. Bildausschnitt oben) suggeriert: "jetzt Einfluss auf Produkte nehmen" und ködert mit "attraktiven Preisen". Beim Durchklikcken des elektronischen Fragebogen wird klar, hier geht es in erster Linie um die Zahlungsbereitschaft und die Vorliebe zu gewissen Automarken, (alternative) Antriebssysteme werden abgefragt aber stellen nicht den Fokus der Umfrage dar.
Ihr neuer Wagen wird voraussichtlich [ ] Benzin [ ] Diesel [ ] Erdgas... viel weiter reicht die Phantasie der Automobilindustrie offenbar nicht.

Aus England erreichte eine andere Person die folgende Spam E-Mail mit dem Absender "PEUGEOT AUTOMOBILE LOTTERY" und verkündet die frohe Botschaft:
This is to inform you that you have Won (...) a brand new Peugeot 407 Car. (...)
Zum Spass könnte man ja den entsprechenden Herrn unter folgender Adresse kontaktieren:
===============================================================
Mr Paul Wilson,
Peugeot Auto-mobiles 19 Ul,
Essex , PE9 2YP , London
United Kingdom.
E-mail:peugeot.paulwilson@gmail.com
Tel: +447045763837
===============================================================
Contact him with your secret pin code PGA00111234 and your reference number PGA: 12058006/06.

Wir wollen weder ein Auto kaufen noch ein Auto gewinnen (das sprengt offenbar die Vorstellungskraft der Absender...)


25% der Bevölkerung können aufs Auto verzichten

Bei Meinungsumfragen bin ich immer etwas skeptisch, schliesslich haben die Auftraggeber (Firmen, Verbände, Branchenvertreter, etc.) oft ein gewissen Einfluss auf das Ergebnis bzw. das Fazit einer Untersuchung. Interessant ist es dann, wenn die Ergebnisse der GLEICHEN Studie ganz unterschiedlich intepretiert werden bzw. von den Medien unterschiedlich wiedergegeben werden; so geschehen mit dem aktuellen GFS Mobilitätsmonitor (PDF).

Auto büsst an Strahlkraft ein, so die Headline im News vor einigen Tagen (leider nicht verlinkbar). Der Titel im Beitrag von 20 Minuten lautete hingegen "Liebe zum Auto trotz Klimadebatte ungebrochen". Aha, kaum zu glauben, aber beide Berichte beziehen sich auf die oben genannten Studie von GFS Bern die - notabene- von den Schweizer Autoimporteuren in Auftrag gegeben wurde. Dieser Verband betreibt professionell Lobbyarbeit, unter anderem auch mittels dieser Website.

Wichtig aus meiner Sicht sind die Veränderungen zwischen 2005 und 2007:
75 Prozent halten das Auto für unverzichtbar, im [Verkehrs-] Monitor 2005 waren es noch 81 Prozent gewesen. Dass das Auto umweltbelastend sei, sagten 80 Prozent (2005:71%).
(vgl. auch den vollständigen Beitrag auf NZZ Online unbedingt auch die Diskussion in den Kommentaren lesen).
Die Langfassung der Studie bietet ein Fundus von interessanten Analysen und Schlussfolgerungen, teilweise etwas sehr hochgestochen und wissenschaftlich geschrieben, aber sicher ein Lesetipp.

Die (aus meiner Sicht) guten Nachrichten zusammengefasst:
  • 25 Prozent der Bevölkerung können aufs Auto verzichten
  • Die Kritik gegenüber dem motorisierten Individualverkehr ist gewachsen
  • Es lässt sich generell eine kritischere Haltung gegenüber dem Auto feststellen.
  • Die Einstellung zum Auto ist davon abhängig, wie man das Auto selber nutzt
  • Aus der autokritischeren Haltung wird auch individueller Handlungsbedarf abgeleitet
Gerade der letzte Punkt erachte ich als sehr wichtig, schliesslich ist es beim Thema "Mobilität" und "Autofahren" so einfach, die Gesellschaft für die aktuellen Umweltprobleme verantwortlich zu machen und sein persönliches Verhalten nicht zu ändern. Umweltorganisationen wie der VCS behaupten ja, dass in den Schweizer Städten bereits die Hälfte der Bevölkerung ohne eigenes Auto zurechtkommt. Ob diese (hohe) Prozentzahlen der Realität entsprechen kann ich leider nicht bestätigen.


Autofahren für den Klimaschutz

Wir sind umgezogen – von einer Agglo-Gemeinde Zürichs in die andere und neuerdings bin ich auch zu Hause wieder auf dem Netz (wie zur guten alten Zeit – via Modem mit dem charakteristischen Geräusch (erinnert Ihr Euch noch?).

Leider zeigt sich einmal mehr, dass, wer autofrei leben will, im Allgemeinen da wohnt, wo andere fahren. Aktuell wohnen wir an der Seestrasse und gemäss kantonaler Verkehrszählung fahren vor unserem Haus ca. 17'000 Autos pro Tag durch. Wobei der Ausdruck „fahren“ zumindest in der Stosszeit etwas übertrieben ist. Vom Bus aus gesehen (der leider auch nicht schneller vorwärts kommt, als die PW’s), sieht das so aus (am linken Bildrand lässt sich übrigens die fussgängerfreundliche Ausgestaltung der Kilchberger Trottoirs bewundern):
seestrasse
Irgendwie ist es da beruhigend zu wissen, dass die meisten Seeuferbewohner Zürichs wohl ganz neue Autos der gehobenen Klasse fahren und somit wenigstens jeden Tag einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn sie vor unserer Wohnung durchtuckern. Denn wie schreibt doch die Vereinigung der Schweizer Automobilimproteure: „Wer es ernst meint mit dem Klimaschutz und dem auch beim Kauf seines nächsten Autos Ausdruck verleihen will, kommt nicht an der „neuen“ Energieetikette vorbei.“ Bestimmt haben also alle die VCS-Liste der Energie-effizientesten Autos auf „topten“ studiert, bevor sie sich ihr Auto gekauft haben.

So fahren diese vorbildlichen Mitmenschen jeden Morgen mit Effizienzklasse A ihren BMW der oberen Mittelklasse nach Zürich und abends wieder zurück in ihre Vorortgemeinden. 1.5 Tonnen Leergewicht, angetrieben von einem Benzinmotor mit ca. 15% Wirkungsgrad um einen Menschen zu transportieren – ich meine es als Velofahrer wohl einfach noch nicht ernst genug mit dem Klimaschutz...


Ist Rasen männlich?

Seit Beginn dieser Woche gibt es eine neue Plakat- und online-Kampagne in der Schweiz gegen (zu) schnelles Autofahren. Der Claim lautet: Ist Rasen männlich?

plakat de kampagne SPEED

Ich selbst sah das Plakat gestern am Bahnhof, publiziere hier auf AUTOLOS aber nicht das Foto vom Plakat mit einem Doppelstockzug im Hintergrund sondern das Abbild vom PDF file
Die Kampagne wurde bewusst direkt nach dem Ende des Autosalon gestartet, schliesslich werden dort an der Messe die "Tatwaffen" gezeigt und neue Maximalgeschwindigkeiten diskutiert, Ökologie und grüner touch hin oder her. Urheber der Aktion ist der Verein NWSB, in voller Länge heisst der Verein "Netzwerk schulische Bubenarbeit", ein lustiger Name für ein Verein aber in diesem Zusammenhang ganz passend, schliesslich geht es um "Bubenzeug".

Sich gegenseitig ein Rennen liefern und dabei andere Verkehrsteilnehmer gefärden, das ist unverantwortlich. In der Print Ausgabe der NZZ las ich am Montag 17. März - also just zum Start der Kampagne "Speed, ist Rasen männlich?" - von einem illegalen Autorennen auf der A1 (?) wo es auch zu einem Unfall kam. Nicht im Ausmass wie bei der Tragödie im Februar in den USA, aber eben ein Unfall wegen überhöhter Geschwindigkeit. Ich nehme an, es waren nur Männer Buben beteiligt.


Autoumweltliste: gibt es umweltfreundliche Autos?

Wie jedes Jahr hat der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) seine aktuelle Auto-Umweltliste präsentiert. Es ist ein Leitfaden zum Autokauf und wurde mit viel TraTra den Medien präsentiert (vgl. z.B. den Bericht der NZZ).
Zitat von Daniel Goeudevert, bis 1993 leitender Manager in der Autoindustrie: «Wir brauchen nicht bessere, sondern andere Autos». Sein vollständiges Interview als PDF, die Medienmitteilung und das Referat von Franziska Teuscher gibt es hier auf der VCS Seite (Bemerkung am Rande: Lieber VCS, wie wäre es mit einem Relaunch des Online Auftritts von VCS-ATE?...)

Ich habe den Eindruck, dass diese Argumentationskette ("neues Auto gekauft, aber reines Gewissen weil umweltfreundliches Modell... etc.") eine gefährliche Dynamik bekommt. Sogar die Autoindustrie hat erkannt, dass "(...) Alternative Antriebssysteme für das Überleben einer Marke immer wichtiger [werden]" (aus der NZZ Beilage Mobil von gestern Dienstag 4. März). Sogar Die Politik in der Schweiz will nun finanzielle Anreize schaffen und umweltfreundliche Modelle mit einem Bonus vergünstigen (!), sprich weitere Anreize für den Autokauf schaffen.

Dieser Schuss geht nach hinten los, das hat sogar der VCS erkannt: Adrian Schmid, Leiter Politik und Kampagnen beim VCS, meint, ein Bonus-System sei eine krasse Benachteiligung all jener, die kein Auto besitzen. (Zitat aus dem oben verlinkten Beitrag auf espace.ch).

Kriterien beim Autokauf (Quelle Coopzeitung Nr. 10 vom 4. März)

Für mich ist es durchaus OK, wenn bei der Kaufentscheidung das Kriterium "Umweltverträglichkeit" einen immer wichtigeren Stellenwert bekommt (der Stromverbrauch bei Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik ist auch schon lange ein Kaufkriterium).

Die Coop Zeitung publizierte dazu diese Woche die Ergebnisse einer LINK Meinungsumfrage (vgl. Abbildung oben, Quelle epaper, Detailergebnisse als pdf file hier). Diese (positive) Entwicklung darf aber nicht dazuführen, dass die Anzahl der Autos weiterhin stark steigt, gerade in den Schwellenländern ist dieser Nachholbedarf / diese gefährliche Entwicklung extrem (einen guten Artikel über billige Autos in Indien gab es vor einigen Monaten im NZZ Folio "Auto der Zukunft")

Chefredakteur der Coop Zeitung Matthias Zender bringt es auf den Punkt: "(...) Vielleicht
ist die Technik auch gar nicht der richtige Ansatz. Werfen wir noch einmal einen Blick in
die Statistik: 30% der Autofahrten sind nicht länger als 3 km, 45% nicht länger als 5 km. Strecken, die problemlos zu Fuss oder mit dem Velo zu bewältigen sind. Kurz: Das Problem der Mobilität liegt nicht beim Auto, sondern in unseren Köpfen.


mein persönliches Fazit: nur kein (eigenes) Auto ist wirklich umweltfreundlich.

p.s.
@Matthias Zender: es wäre toll, wenn dein Editorial nicht nur im Print und PDF, sondern auch in deinem Blog erscheinen würde, dann könnte wir dich besser verlinken. Danke.

update von 10:19h Das Editorial von Matthias Zender online in seinem Blog


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