.:: agrartreibstoffe ::.

Bioethanol in Zukunft ohne Steuern

Per 1. Juli wird in der Schweiz das Bioethanol steuerfrei. Ausserdem fällt das Importmonopol des Bundes. Damit könnte man jedes Bioethanol aus aller Welt importieren. Damit die Mindereinnahmen wegen der Steuerbefreiung von Bioethanol aufgefangen werden, steigen die Steuern auf Benzin und zwar um 1.35 Rappen pro Liter.

Eigentlich könnte man ja froh sein, dass nun der ökologische Treibstoff eine Unterstützung erhält. Allerdings ist die Produktion von Ethanol aus Lebensmitteln wie Mais und Raps mehr als nur umstritten. Damit werden vor allem den ärmeren Ländern die Nahrungsmittel weggenommen, damit wir hier autofahren können. Agrartreibstoffe haben in der Regel auch keine eine besser Ökobilanz als Benzin oder Diesel.

Zwar existieren strikte Auflagen, welche allfällige Importe erfüllen müssen. So sollen ökologische und soziale Standards eingehalten werden. Die Schweiz ist damit eines der ersten Länder, das solche Auflagen einführt. Das ist ja schon positiv, aber der Wirkungsgrad sinkt, je länger der Transportweg des Treibstoffes wird.

Bei Schweizer Ethanol ist ziemlich sicher, dass er nur aus forst- oder landwirtschaftlichen Abfällen produziert wird. Schwieriger wird es bei Produkten aus Südamerika. Greenpeace befürchtet zwar nicht, dass viel importiert wird, denn der Grossteil des verfügbaren Ethanols erfüllt gar nicht die Auflagen.

Es wäre viel besser, man würde etwas für die Leute tun, die an der täglichen Blechlawine leiden, anstatt das Autofahren noch zu fördern. Der Langsamverkehr brauch gar kein Treibstoff, ist leise, sicher, ...


80% der Ackerbaufläche für Agrosprit?!

Eine ETH-Studie hat untersucht, ab welchem Energiepreis, die Landwirtschaft auf die Produktion von Agrosprit umsteigen würde.

Damit Schweizer Raps und Mais ohne Subventionen bei der Produktion von Agroethanol wettbewerbsfähig sind, müssten sich aber die Preise bei den fossilen Treibstoffen erheblich verteuern. So müsste Diesel etwa fünfzig Rappen teurer werden. Benzin und Heizöl müssten gar einen Franken pro Liter mehr kosten.

Würde der Preis pro Liter Benzin an der Zapfsäule über 2.70 SFr. steigen, so würde der Anbau von der Rohstoffe in der Schweiz bedeutend. Mit rund 15 % der Ackerfläche würde dann statt Nahrungsmittel, Treibstoffe hergestellt. Allerdings müssten einheimische Produzenten vor dem ausländischen Angebot geschützt werden. Bei einem Preis von 3.80 SFr. würde sogar 80 % der Ackerbaufläche für Agrotreibstoffe verwendet.

Daran sieht man, dass Bio- oder eben Agrosprit nicht zwingend umweltfreundlich sein muss. Würde nämlich der Flächenanteil für die Nahrungsproduktion schwinden, so müssten Lebensmittel importiert werden, was natürlich wiederum mit CO2-Emissionen verbunden ist.

Interessant ist auch ein anderes Verfahren, als die Ethanolerzeugung aus Mais oder Raps. Biomass To Liquid (engl. Biomasse zu Flüssigkeit) ist ein Verfahren, dass aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz und Stroh, also aus fester cellulosehaltiger Biomasse, Treibstoff herstellen kann. Allerdings ist die Forschung noch recht am Anfang und das Verfahren ist sehr aufwändig, hat aber immense Vorteile:
  1. Keine Umnutzung der Ackerbauflächen nötig, weil in der Schweiz sowieso zu viel Holz auf dem Markt ist, könnte dieses dafür verwendet werden.
  2. BTL hat eine wesentlich grössere Energieausbeute, also geht viel weniger Energie verloren, vom Roh- zum Treibstoff. Bei der Anpflanzung von Mais und Raps braucht es dazu noch Unmengen an Dünger und die Ernte und Saat wird mit dem Traktor gemacht. Alles dies fällt bei der Treibstoffherstellung mit BTL weg.
Quelle ETH-Studie


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