Autolos Wohnen - unser Thema im September - Teil #1

Das Thema "Autolos Wohnen" ist sehr aktuell, in den vergangen Tagen und Wochen gabe es eine breite Berichterstattung in den Medien (vgl. diese Liste auf der Webite vom CAS). Der Club der Autofreien (CAS) organisierte im Kraftwerk1 (autoarme Siedlung in Zürich) eine Veranstaltung zum Autofreien Wohnen (siehe auch diesen link special). Das Netzwerk «Autofrei Wohnen Schweiz» wurde gegründet und im September finden Veranstaltungen zum Thema in Deutschland statt (vgl. die links in der Agenda in unserem letzten Wochenrückblick)

AUTOLOS wird in unregelmässiger Folge über das Thema «Autofrei Wohnen (AFW)» berichten und dabei aktuelle Dokumente verlinken und zukunftsweisende Projekte vorstellen. Zum Start präsentieren wir unseren LeserInnen zwei interessante Berichte: Verschiedene Fragestellungen im rund um AFW:
  • Wie ist die Situation heute (Gesetzgebung, realisierte / geplante Bauvorhaben, etc.) ?
  • wie kann AFW gefördert werden (Druck auf Gesetzgeber, Sensibilisierung bei Investoren / Bauschaft / Mieter etc.) ?
  • Wie können bereits erstellte Pflichtparplätze umgenutzt werden?
Wer würde gerne in einer autofreien Siedlung wohnen? Was spricht dafür, was spricht dagegen? Die Diskussion ist eröffnet.



2008-09-03 15:35 | Samuel Bernhard
Probleme des Autofreien Wohnens in der Schweiz
Hallo autolos-Bloggers
genau vor zwei wochen konnte ich bei einer Besichtigung eines für das autofreie Wohnen geeigneten Areals wieder erfahren, woran es hauptsächlich liegt, dass es in der Schweiz noch kein einziges realisiertes Projekt gibt: die Investoren müssen zuallererst davon überzeugt werden, dass das autofreie Wohnen ein Markt ist. In einer Studie, welche von der Stadt und Kanton Bern, der Gemeinde Ostermundigen und dem VCS Bern in Auftrag gegeben wurde, konnte gezeigt werden, dass 8 Prozent der Haushalte in der Grossregion Bern bereit sind, die eigene Autofreiheit vertraglich festzuschreiben. Noch erstaunlicher: 3 Prozent sind als Autobesitzende sogar bereit, dieses abzuschaffen, wenn sie Aussicht haben auf eine Wohnung in einer Siedlung, welche alle Voraussetzungen mitbringt (öV-Anschluss, Einkaufen in der Nähe etc.). Mit dem neu gegründeten Netzwerk Autofrei Wohnen Schweiz wollen wir eben gerade solche Erkenntnisse öffentlich machen. Wenn ein konkretes Projekt erst einmal vorliegt, dann besteht die Chance, dass sich die Behörden kooperativ zeigen, wie das Beispiel an der Burgunderstrasse in Bern-Bümpliz zeigt. Damit will ich nicht gesagt haben, dass die Behörden überall so kooperativ sind wie in Bern, aber eine Bewegung in die richtige Richtung ist auch an anderen Orten spürbar.
> > > 2008-09-04 12:25 | autolos antwortete auf diesen Kommentar mit:
Das Thema AFW kann man auch aus einer etwas grösseren Distanz betrachten / diskutieren. Wenn wir aus der Vogelperspektive auf die Schweiz herunterschauen und das Mittelland ins Blickfeld rückt, wird sofort klar: Die Siedlungsstruktur in unserem kleinen Land ist dicht und die Verkehrserschliessung sehr gut. Also das Gegenteil von Texas oder sonst einer anderen weitläufigen Gegend auf dieser Erde...
Das Land Schweiz eignet sich sehr gut fürs Autofreie Wohnen, da brauche ich nicht unbedingt eine spezielle autofreie Überbauung mit exklusivem öV Anschluss etc., im Vergleich zu anderen Ländern sind diese Vorausetzungen (fast) überall in der Schweiz gegeben. Die vielen Haushalte, die kein eigenes Auto haben bezeugen das.

2008-09-05 10:15 | Georg
PARK(ing)
Zu Deiner Frage "Umnutzung von Pflichtparkplätzen" hier eine hübsche Möglichkeit mit dem Titel PARK(ing): http://www.rebargroup.org/projects/parking/
Wäre übrigens auch mal eine nette Aktion für den Club der Autofreien!

Etwas ernster: Pflichtparkplätze sind eben - wie der Name sagt - Pflicht. Das heisst, es ist im Prinzip vom Gesetzgeber nicht vorgesehen, dass diese aufgelöst (oder bei Neubauten erst gar nicht erstellt) werden. In städtischen Lagen gibt es jedoch ziemlich viele Häuser, die de facto schon Parkplatzfrei und somit potenziell auch Autofrei sind. Ein pragmatischer Ansatz zum Thema autofreies Wohnen wäre, Hauseigentümer dazu zu bringen, ihre Mehrfamilienhäuser als "autofrei" zu deklarieren. Auf Einladung müsste eine externe Stelle die Rahmenbedingungen überprüfen und könnte danach ein Label als "ideales Haus für autofreie" vergeben. Danach würden als Bewohner nur noch autofreie aufgenommen. Der Effekt wäre ggf. effizienter, als neue Siedlungen unter dem Label "autofrei" zu erstellen, da die gut erschlossenen Lagen in der Schweiz ja schon weitgehend zugebaut sind und über Neubauten nur eine relativ geringe Anzahl Bewohner erreicht werden können.
> > > 2008-09-08 09:41 | Pidi antwortete auf diesen Kommentar mit:
den labelgedanken finde ich echt gut, bzw weiterverfolgenswert, doch wie bringt man herr und frau hauseigentümer dazu?
das zweite problem dürfte der juristische sein, angenommen ein autofreier mieter/stockwerkeigentümer kauft sich später ein auto kann er kaum aus der wohnung geworfen werden (zumindest sagen dies die juristen, die dies in zusammenhang mit dem autofreien wohnen in der stadt zürich untersucht haben, so sicher bin ich mir dabei aber nicht, bei genossenschaftswohnungen funktioniert dies ja auch) bzw. der nachweis, dass jemand kein auto besitzt (oder eben doch) ist nicht ganz einfach. aber irgendwelche "schwarzen schafe" gibt es ja immer und da die gesetzgebung hinterherhinkt, wieso nicht das ganze auf freiwilliger basis (aus sicht der hauseigentümerInnen) versuchen?

vielleicht findet sich auch eine lösung für solche liegenschaften mit autoabstellplätzen, der anreiz, in einem autofreien haus zu leben, ist möglicherweise für viele gross genug, einen parkplatz zu bezahlen ohne ihn zu benutzen oder sich zu überlegen, wie er andersweitig genuzt werden könnte. wäre spannend, ein, zwei grössere, bestehende liegenschaften (mit oder ohne abstellplätze) zu finden und in einem pilotprojekt abzuklären, wie gross die akzeptanz bei den mieterInnen ist und wie sich die rechtliche lage präsentiert.

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