Norman Foster sieht in Autos keine Zukunft
Zu seinen zahlreichen Projekten gehören unter anderem das Wembley Stadium in London, der Dresdner Hauptbahnhof, die Metro von Bilbao (Spanien), die Expo MRT Station in Singapur, die Millenium Bridge in London und der internationale Flughafen von Hongkong.
Umso mehr freut es mich, wenn eine solch einflussreiche Person sich in einem Interview mit der deutschen "Zeit" stark macht für moderne Mobilität und sich gegen fossile Treibstoffe stellt.
Ein paar Zitate aus dem Interview:
"Natürlich, das Auto hat unsere Städte komplett verändert, plötzlich konnte man weit draußen wohnen, und die Landschaft wurde zersiedelt. Aber das Auto wird an Bedeutung verlieren, wir müssen wegkommen vom Öl, wegkommen von Transportmitteln, die dem Klima schaden. Und das heißt in der Konsequenz: Unsere Städte werden sich wiederum verändern. Wir erleben gerade einen Epochenwechsel."
"Das liegt vor allem daran, dass wir hier in Europa und auch in den USA furchtbar lahm sind in unserem Denken. Aber schauen Sie sich an, was im Nahen Osten passiert, in Abu Dhabi zum Beispiel. Dort bauen wir gerade Masdar, die erste CO₂-neutrale Stadt der Welt, für über 50000 Bewohner. Die Verantwortlichen dort sind ungeheuer schlau, die warten nicht, bis ihnen das Öl ausgeht, die fangen heute damit an, für eine Zukunft ohne Öl zu planen. Stellen Sie sich vor, schon 2018 soll die Stadt stehen. Das ist ungefähr so, als wollten wir in zehn Jahren den Mond besiedeln."
"Wir wissen weiterhin nicht, wie wir das hinbekommen werden. Viele technische Lösungen müssen wir erst noch entwickeln, wir brauchen neue, intelligente Materialien, ein neuartiges Glas zum Beispiel, das nicht nur gut isolierend wirkt, sondern auch noch wie eine Solarzelle funktioniert und Energie produziert."
"Wir müssen überlegen, welche Alternativen wir zum Auto anbieten können. Nur so können wir unser Ziel erreichen: eine Stadt, die ihren eigenen Strom, ihr eigenes Wasser produziert und ohne fossile Brennstoffe auskommt."
"Ich beobachte schon heute, dass es für viele Menschen der größte Luxus ist, nicht mit dem Auto fahren zu müssen. Es ist ein Luxus, alles zu Fuß erreichen zu können, den Obsthändler, den Arzt, das Kino. Deshalb sind ja die Lagen in der Innenstadt oft ungeheuer begehrt, in London zum Beispiel Notting Hill oder Chelsea."
"Wir müssen verhindern, dass die Zersiedelung weiter fortschreitet, schon wegen des Klimawandels kann es nicht sein, dass unser Lebensmodell mit den vielen kleinen Einfamilienhäusern überall kopiert wird. Deshalb brauchen wir Dichte, wir brauchen Hochhäuser, die ein grünes, menschenfreundliches Leben in der Höhe ermöglichen. Und technisch lässt sich das ja durchaus machen, das haben wir in vielen Projekten gezeigt, denken Sie nur an den Commerzbank-Turm in Frankfurt. Viele unserer Gebäude sparen Energie, und sie schaffen ein viel angenehmeres Arbeits- und Wohnklima. Unsere Architektur hat eine technische und eine soziale Dimension."
"Ich bin in diesem Jahr wieder beim Engadin Skimarathon mitgelaufen, das hat mir wirklich sehr großen Spaß gemacht. Es war ein starkes Läuferfeld, ich habe mich aber, glaube ich, ganz gut gehalten. Das ist ein Vorteil, wenn man hier in der Schweiz lebt, man hat die Berge, man hat den Schnee. Auch wenn ich Rad fahren will, muss ich nur mein Fahrrad aus dem Haus holen, und los geht’s. In London ist das viel mühsamer: erst ins Auto, dann eine Stunde fahren, dann aufs Rad, dann wieder eine Stunde im Auto."
Nur dass Flugzeuge noch umweltschädlicher sind als Autos, das muss man ihm wohl noch beibringen... ;-)
Das ganze Interview gibt es hier zu lesen: Norman Foster: Wir brauchen Hochhäuser
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