Autoloser Verkehr auf Schwedisch

Nachdem ich (fast) mit meiner Zeit in Schweden abgeschlossen habe, ist es Zeit für einen kleinen Überblick des Langsamverkehrs in Schweden. Seit dem 12. Juli war ich in Ystad, Karlskrona, Linköping (sprich: Liinschöping), Uppsala und Stockholm.

Aus autolosen Gründen bin ich natürlich die ganze Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. In Schweden ist das so problemlos möglich wie in der Schweiz. Die Zugs- und auch Busverbindungen können auf der Webseite der Eisenbahngesellschaft SJ herausgefunden werden. Auch wenn unzählige verschiedene Firmen den öV tatsächlich betreiben, so herrscht zumindest im Bezug auf die Fahrplansuche via Internet Einigkeit. Sonst wird es schon komplizierter: Es kann mitunter wichtig sein, im richtigen Büro zu sein, denn sonst können die Leute einem nicht weiterhelfen.

Die Zugsreisen sind sehr schnell, weil topografiebedingt die Züge relativ gerade und auch schnell fahren können. Es lohnt sich aber wirklich einen Sitzplatz zu reservieren. Von Linköping nach Uppsala nahm ich einen Regionalzug und wurde schon nach einer guten Stunde vom Platz vertrieben, weil jemand eine Reservation hatte (in diesem Fall machte ich gerne Platz). Allerdings hatte der Zug auch nur gerade drei doppelstöckige Wagen, war aber topmodern eingerichtet, sehr komfortabel und ziemlich kühl.

Cykelpump: Velopumpe in LinköpingIn Uppsala und Linköping lohnt es sich vor allem für die Einheimischen ein Velo zu haben, Touristen haben die Städte sowieso in kürzester Zeit durchquert und auf den breiten Trottoirs, Plätzen und Parks ist es sowieso besser, ein wenig zu flanieren. Eine Entdeckung in Linköping waren die öffentlichen Pumpen fürs Velo. Eingentlich genial, wenn man abends heimfährt und merkt, dass eigentlich zu wenig Luft im Reifen drin ist. Allerdings lässt sich der Druck nicht überprüfen (oder ich weiss nicht wie), weshalb es zumindest etwas heikel ist.

Die Innenstadt von UppsalaUppsala hat zwar nicht sehr viel Fussgängerzone zu bieten, aber überall kommt man zu Fuss viel bequemer hin, als motorisiert. Das meiste liegt denn auch in der Innenstadt, wo Parkplätze sowieso eher knapp sind, auch wenn ihnen Plätze geopfert werden.

In Stockholm herrschen Autos und Lastwagen vor.In Stockholm nun, wo ich zur Zeit noch bin, ist es mit dem gemütlichen Velofahren durch die laue (oder auch eher heisse) Sommerluft dann rasch vorbei. Der laute und schnelle Autoverkehr drängt sich durch fast jede Strasse der Innenstadt. Gamla Stan ist von einem Ring von breiten Strassen umgeben, Norremalm hat die meisten riesigen Strassenzüge zu bieten. Angenehm ist einzig Östermalm, wo nur wenige grössere Strassen sind und wo meistens nichts los ist. Kungsholmen ist ähnlich, nur scheint hier wesentlich mehr los zu sein, so habe ich heute in einem winzigen, aber schönen und guten Café eine Lasagne gegessen und nicht mal alle Welt dafür bezahlt (Grönland wollten sie nicht. :-D). Ruhe, wie in den Parks von Uppsala oder Linköping, findet man hier kaum oder nur annähernd. Dass die Luft nicht komplett verpestet ist, liegt am stetigen Wind, der die ganze Dreckwolke aus der Stadt hinaus bläst.

Normalerweise sieht es wie auf dem obigen Bild aus: Breite Strassen mit gefährlichen Rinnen, schmale Velostreifen auf dem Trottoir, so dass unwissende Touristen und Velofahrer zu kollidieren drohen, und Ampeln, bei denen man teilweise unmenschlich lange warten muss.

Alles in allem: Währen Linköping und Uppsala vor allem mit ihrer Lebensqualität gepunktet haben, geht man nach Stockholm wegen den Sehenswürdigkeiten, aber sicher nicht, um einen ruhigen Platz zu finden oder gemütlich durch die Stadt zu radeln.

Ein besonders guter Ort, um die Verkehrssituation von Stockholm zu zeigen, ist Slussen. An dieser Stelle treffen Bahngeleise, Metro (hier Tunnelbana oder kurz T-Bana genannt), Pendlerzüge, Busse, Fussgänger, Velofahrer, Fähren und Kreuzfahrtschiffe aufeinander. Das Chaos ist enorm und schlecht zu überblicken. Grundsätzlich scheint die T-Bana hier, im Gegensatz zu Paris, nicht die Innenstadt möglichst gut erschliessen zu wollen. So muss man oft noch weiter laufen. Die T-Bana soll offensichtlich die Vororte möglichst gut an die Verkehrswege in der Innenstadt, wo auch der grosse Zentralbahnhof liegt, anbinden. Von den unzähligen Stationen liegen nur gerade sechzehn in der von Touristen frequentierten Zone. Für Touristen ist sie auf jeden Fall nur das zweitbeste Mittel, nach den eigenen Füssen und dem Velo, falls man es sich traut. Den Rest des öV übernehmen scheinbar überall in Schweden Busse. Diese fahren ganz oft mit Ethanol oder Biogas (was ja dasselbe ist) und sorgen so zumindest nicht für noch mehr schlechte Luft. Wie allerdings dieses Ethanol gewonnen wird, weiss ich nicht.

Auf der anderen Seite wiederum ist Stockholm ein Vorreiter in Sachen Roadpricing. Wer von 6:30 bis 18:00 in die Innenstadt will, der muss leider nur einen lächerlichen Beitrag von 10 bis 30 SEK (Sfr. 1.70 bis Sfr. 5.20) bezahlen. Ein Einheimischer hat mir (in einem auch anderweitig tollen Gespräch) gesagt, dass die Wirkung dieses Trängselskatt eher klein sei.

Stockholm gefällt (mir) vor allem dann, wenn man in einem kleine Cafés sitzt und nur Einheimische um einem herum sind. Es gäbe noch viel zu erzählen, aber erstens antworte ich gerne auf spezifische Fragen und zweitens soll der Artikel auch mal ein Ende haben.


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    Schön dass es Leute gibt die auch so denken wie...
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