Buch über das Verbot von Kraftfahrzeugen in Graubünden
12:17 | von: Florin Jaeger | abgelegt unter: lebensqualität
Rückblickend ist es noch gar nicht so lange her, dass im Schweizer Kanton Graubünden ein vollständiges Autoverbot gab. Dieses Verbot von Kraftfahrzeugen galt fast durchgehend von 1900 bis 1925, nicht weniger als zehn Volksabstimmungen vergingen bis die Motorisierung auf den Bündner Strassen Einzug hielt.
Stefan Hollinger stellt in seinem neuen Buch "Graubünden und das Auto" die Kontroversen im Detail dar und hat sein Werk in dieser Gratiszeitung (PDF, Seite 16) zusammengefasst.
Hier zwei, drei Leseproben:
Die Ergebnisse zeigen, dass monokausale und stereotype Erklärungen, wie die Annahme einer grundsätzlichen modernitäts-, technik- und fortschrittsfeindlichen Haltung der Bündner Landwirte und Fuhrleute, zu kurz greifen, um ein derart komplexes und vielschichtiges Phänomen wie den Widerstand gegen die Motorisierung zu erklären.
und weiter:
Im Mittelpunkt der Automobilkritik stand die Diskrepanz zwischen dem
auf die Erfüllung eines individuellen Bedürfnisses der Automobilisten ausgerichteten Nutzen
auf der einen und den negativen Begleiterscheinungen, welche der motorisierte Verkehr
der Allgemeinheit aufzwang, auf der anderen Seite. Die Akzeptanz der Automobiltechnologie
war also wesentlich davon abhängig, ob es gelingen würde, die Kosten und Nachteile
des neuen Verkehrsträgers zu minimieren und den gesamtgesellschaftlichen Nutzen zu
steigern.
und schliesslich:
Der Widerstand gegen den Kraftfahrzeugverkehr war in solchen
Gemeinden besonders stark, welche auf Grund ihrer Lage entlang einer Zufahrtsstrasse
zu den Tourismuszentren oder zur Hauptstadt damit rechnen mussten, von den Automobilisten
bloss durchfahren zu werden. Die negativen Begleiterscheinungen des Automobilverkehrs
(Verkehrsunsicherheit, Lärm, Staub, Strassenunterhaltskosten) erschienen den
Bewohnern solcher Transitgegenden ein unverhältnismässiger Preis für die wirtschaftlichen
Vorteile, die daraus andernorts resultierten.
In meinen Augen gibt es hier durchaus Parallelen zu dem aktuellen Widerstand gegen die Transitlawine in den Alpen, sei es im Tirol (Austria) oder in Uri und in der Leventina (Schweiz). Die vorliegende Arbeit von Stefan Hollinger zeigt uns, dass die Auto Dominanz in unseren Dörfern und Städten keine "gottgegebene" Tatsache ist, sondern eine durchaus umstrittene Entwicklung der letzten Jahrzehnten und daher durchaus in Frage gestellt werden muss.
p.s. Mich würde interessieren, ob Herr Hollinger privat AUTOLOS unterwegs ist...
;-)
so oder so, vielleicht können wir den Autor zu einem Gastbeitrag animieren, aber ich freue mich auch auf einen Kommentar!
Stefan Hollinger stellt in seinem neuen Buch "Graubünden und das Auto" die Kontroversen im Detail dar und hat sein Werk in dieser Gratiszeitung (PDF, Seite 16) zusammengefasst.
Hier zwei, drei Leseproben:
Die Ergebnisse zeigen, dass monokausale und stereotype Erklärungen, wie die Annahme einer grundsätzlichen modernitäts-, technik- und fortschrittsfeindlichen Haltung der Bündner Landwirte und Fuhrleute, zu kurz greifen, um ein derart komplexes und vielschichtiges Phänomen wie den Widerstand gegen die Motorisierung zu erklären.
und weiter:
Im Mittelpunkt der Automobilkritik stand die Diskrepanz zwischen dem
auf die Erfüllung eines individuellen Bedürfnisses der Automobilisten ausgerichteten Nutzen
auf der einen und den negativen Begleiterscheinungen, welche der motorisierte Verkehr
der Allgemeinheit aufzwang, auf der anderen Seite. Die Akzeptanz der Automobiltechnologie
war also wesentlich davon abhängig, ob es gelingen würde, die Kosten und Nachteile
des neuen Verkehrsträgers zu minimieren und den gesamtgesellschaftlichen Nutzen zu
steigern.
und schliesslich:
Der Widerstand gegen den Kraftfahrzeugverkehr war in solchen
Gemeinden besonders stark, welche auf Grund ihrer Lage entlang einer Zufahrtsstrasse
zu den Tourismuszentren oder zur Hauptstadt damit rechnen mussten, von den Automobilisten
bloss durchfahren zu werden. Die negativen Begleiterscheinungen des Automobilverkehrs
(Verkehrsunsicherheit, Lärm, Staub, Strassenunterhaltskosten) erschienen den
Bewohnern solcher Transitgegenden ein unverhältnismässiger Preis für die wirtschaftlichen
Vorteile, die daraus andernorts resultierten.
In meinen Augen gibt es hier durchaus Parallelen zu dem aktuellen Widerstand gegen die Transitlawine in den Alpen, sei es im Tirol (Austria) oder in Uri und in der Leventina (Schweiz). Die vorliegende Arbeit von Stefan Hollinger zeigt uns, dass die Auto Dominanz in unseren Dörfern und Städten keine "gottgegebene" Tatsache ist, sondern eine durchaus umstrittene Entwicklung der letzten Jahrzehnten und daher durchaus in Frage gestellt werden muss.
p.s. Mich würde interessieren, ob Herr Hollinger privat AUTOLOS unterwegs ist...
;-)
so oder so, vielleicht können wir den Autor zu einem Gastbeitrag animieren, aber ich freue mich auch auf einen Kommentar!
Tags: verkehrspolitik autolos schweiz





