CHF 250'000 sehr gut investiert

Der folgende Beitrag wurde von Jürg Stuker geschrieben. Er ist CEO der St. Galler Firma namics und schreibt in diesem Gastbeitrag, weshalb namics lieber den öffentlichen Verkehr als das Auto benutzt. Und nun übergebe ich das Wort an Jürg Stuker:

namics-im-Zug

Ja, dass namics wenn immer möglich mit dem öffentlichen Verkehr reist, ist ein Kulturelement. Für mich selbst ist es aber auch nicht anders zu denken und zudem ist es betriebswirtschaftlich scharf überlegt.

Wie wäre es mit der Arbeitszeit? Der Zug ist ein sehr guter, störungsfreier Arbeitsplatz. Fast schweizweit mit vernünftigem Internet-Zugang (ausser die schlechte Verbindung zwischen Zug und Zürich verstehe ich nicht) und auf den grossen Strecken mit Steckdosen (zur Zeit tanke ich grad zwischen Lugano und Chiasso ;-) Das Auto-Argument, dass sich dort Telefone besser erledigen lassen, halte ich für Blödsinn. Bin ich selbst auch immer wieder Opfer von Leuten, die mich zu Pendelzeiten ohne Unterlagen in der Hand belabern. Übrigens halte ich Telefongespräche (mit Inhalt) im Zug auch für problematisch.

Und nun zur Planbarkeit. Autofahren ist für mich zu kompliziert. An welchem Wochentag, auf welcher Strecke und in welcher Fahrtrichtung muss ich je nach Wetter, Schulferien, Baustellenlage, Feiertagen u.s.w. um welche Zeit wie viel Reserve einrechnen? Und das mit dem Resultat, dass ich entweder 25 Minuten zu früh oder 10 Minuten zu spät bin.

Ausser ich bleibe im Bett liegen, bin ich täglich mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs und fahre an mindestens 15 Tagen im Monat mit dem Zug. Erinnern kann ich mich vor allem an sekundengenaue Abfahrten und minutengenaue Ankünfte. Und in den extrem seltenen Verspätungsfällen waren kaum nur die Nutzer des öffentlichen Verkehrs zu spät.

Häufig treffen sich namics Mitarbeiter geplant auf Zügen, um an Themen und Projekten zu arbeiten (Meeting im ICE 270). Die „berühmte“ Vorbereitungsstunde vor dem Workshop oder das gemeinsame Finalisieren des Protokolls danach. Aber auch der Zufall hat seinen Scharm. Einige Kolleginnen oder Kollegen treffe ich so regelmässig per Zufall auf dem Zug (namics trifft sich im Zug), so dass ich mir aufschreibe, was ich mit ihnen besprechen will. Sehr effizient und weniger belästigend als Störungen im Augenblick!

Und nun noch zur Sicherheit. Nach einem langen Arbeitstag würde ich mir eine Autofahrt als Fahrer nicht mehr zutrauen. Sich im Zug sicher fahren zu lassen und dabei beispielsweise Musik zu hören ist für mich Lebensqualität, die ich nie mehr missen will.

Und was hat das mit namics zu tun?

Alle Schweizer namics Offices sind bewusst sehr nahe bei Bahnhöfen: Zürich 1 Minute, Baar 3 Minuten und St. Gallen 5 Minuten je zu Fuss. Auch in Frankfurt sind wir mit 5 Minuten sehr nahe beim Hauptbahnhof.

Alle Mitarbeiter bekommen von namics ein Halbtaxabo. Die Vielreiser haben zudem ein Generalabonnement 1. Klasse. Es sind über 30 Stück an der Zahl. Und schlussendlich bezahlen wir Autospesen nicht, ausser mit SEHR guten Argumenten. Taxis sind ok.

Die Zahl von CHF 250’000 im Titel des Posts ist übrigens unser Umsatz bei der SBB und der Deutschen Bahn im letzten Jahr oder eben eine unserer besten Investitionen.

Bild © (cc) stejan (flickr.com)



2008-04-09 09:26 | Florin Jaeger
dieser Beitrag (Danke, Jürg!) zeigt uns, dass auch im Geschäftsleben (je nach Branche bzw. Tätigkeit) ein Verzicht aufs Auto möglich ist, sehe ich beinahe als Replik auf den Kommentar von G.B. unter http://blog.autolos.com/stories/25078/#25534
> > > 2008-04-10 00:50 | GB. antwortete auf diesen Kommentar mit:
Ciao Florin

Tja - so ist das eben :)
Je nach Branche sicherlich machbar.
Wenn du allerdings vor einem Meeting beim Kunden nochmal die Gedanken zurechtlegen willst, ist es für mich angenehmer entspannt im Auto zu entspannen als im Zug in all den Leuten zu sitzen.
Und dass die Züge minutengenau ankommen, kann ich Jürg Stuker nicht so recht glauben - er möge mir verzeihen. Ich war ja auch schon mit dem Zug unterwegs und hatte da, wo ich durch musste, regelmässige Verspätungen. Gut und gerne mal 15 Minuten. Zweimal sass ich in einem Zug, der dann auch im Bahnhof stehen blieb und nicht mehr weiter fuhr - technischer Defekt.
Das ist nicht wirkich erfreulich.

Das Kostenargument von Jürg Stuker ist natürlich absolut klar, wenn du in der Unternehmung Leute hast, die gerne Zug fahren / im Zug arbeiten hast du eine Win-Win-Situation. Der Mitarbeiter ist motivierter, du sparst Kosten und kriegst gleich noch eine höhere Wertschöpfung.

Ich zum Beispiel kann im Zug überhaupt nicht arbeiten. :) Irgendwie bringt mir das nichts, habe es auch schon versucht.

Gruss, GB.

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