carsharing - proof of concept (mit einem Mobility Testabo)

Seit einigen Tagen habe ich ein Testabo von Mobility Schweiz, um das Carsharing selbst in der Praxis auszuprobieren. Es gibt ja einige kritische Stimmen zur Kundenorientierung des besagten Unternehmens, so zum Beispiel hier bei Bytezh oder auch hier in meinem eigenen Kommentar. Bei meiner Testfahrt mit Mobility ging es mir um meine persönliche Eindrücke, schliesslich sitze ich ja selten selbst am Steuer und hatte noch nie ein Auto bei Mobility genommen.

1) Die Post ist da!
Die zwei Briefe von Mobility sind bei mir zeitgleich angekommen, sehr praktisch. Im dünnen Umschlag der PIN Code, im dicken Umschlag ein schön gestaltetes Willkommens-Set bestehende aus Mitgliederkarte (RFID Karte für Zutritt zu den Autos), Musik CD (!) und Begleitbrief mit den üblichen Begrüssungsformeln.

2) Reservation per Internet
Bei der Anmeldung für die Online Reservation muss man die Mobility-Nummer eingeben, mmh, welche Nummer ist das? auf dem RFID Chip stehen zwei Nummern.... beim zweiten Versuch klappt es. Die Reservation des Fahrzeuges im geschützten Bereich geht flott, das Webinterface mutet etwas altertümlich an und ist nicht so stylish wie http://mobility.ch, aber was soll's, funktionieren muss es. Ich bin noch in meine persönlichen Profileinstellungen reingegangen und da ist mir aufgefallen, dass meine private e-mail falsch eingegeben wurde, das war aber schnell korrigiert. - Die Reservation habe ich dann zwei Stunden später via web verlängert, problemlos, das Auto war noch bis zum anderen morgen frei.

3) Auto holen
Vier Stunden später: ich verlasse das Büro mit meiner Mobility Card in der Geldbörse (oh Schreck, hab ich überhaupt den Führerausweis dabei? - Ja, eingesteckt), der Standort des reservierten Fahrzeuges ist rasch gefunden, hier ein Schnappschuss bevor ich losgefahren bin (dieses Modell ist die Klasse "Economy", vgl. Fahrzeugliste)

Fahrzeug steht bereit

Das Öffnen und Schliessen mit der RFID-Karte funktioniert wirklich toll, der Tank war halbvoll, das ist ja OK (das Gentlemen Agreement unter den Benutzern besagt, dass bei einer Drittel Füllung getankt werden muss bevor man das Fahrzeug zurückgibt).

4) Die Fahrt
Zwei Dinge waren nicht so toll, CD Spieler wollte währende der Hinfahrt die Mobility CD Vol. 4 nicht abspielen, auswerfen konnte ich die CD auch nicht mehr. Zudem hat die ganze Zeit die Ölwechsellampe in der Konsole geleuchtet, das stört in der Nacht unheimlich. Ich fuhr über 200 km (möchte ja nicht wissen, was mich diese Testfahrt kostet..., ab 100km kommt ein reduzierter Kilometeransatz zur Anwendung), auf der Autobahn läuft so ein Kleinwagen sehr hochtourig, aber das hätte ich ja wissen müssen...

5) Fazit
Das carsharing Konzept ist vollkommen praxistauglich, auch für Gelegenheitsfahrer wie mich, es braucht keine persönliche Einführung, das kapiert man sofort, ich kann jedem Neugierigen ein Testabo empfehlen!
Die Kundenbetreung bei Mobility funktioniert: heute bekam ich bereits ein Telefonanruf von einer Dame, die sich zu den oben beschriebenen "Mängeln" erkundigen wollte (wie gewünscht hatte ich ein online feedback Formular ausgefüllt bwz. eine e-mail abgesetzt).

Noch ein paar Gedanken genereller Natur zum Thema Carsharing und Mobility im Speziellen:
  • Für grosse Distanzen ist carsharing relativ teuer, euch wenn man das Auto nur wenige Stunden belegt
  • Die zurückgelegte Distanz ist in meinen Augen nicht das ideale Kriterium für die Preisberechnung, schliesslich kann ein Fahrer mit Bleifuss viel höhere (Treibstoff-)Kosten verursachen als ein sparsamer Fahrer
  • Die Idee, grosse Strecken mit dem ÖV und dann mit carsharing zurückzulegen, mag ja nett sein; in der kleinräumigen Schweiz aber nicht immer sinnvoll
  • UND: fahrplantechnisch hätte ich die gleiche Reise auch mit dem Zug machen können, der Zeitbedarf für Hin- und Rückfahrt wäre in Summe ein Drittel höher gewesen
  • das Auto über Nacht behalten und dann am Früh gleich in die Arbeit fahren ist praktisch und veursacht fast keine Mehrkosten, werde ich wieder einmal machen
Wahrscheinlich werde ich während der Gültigkeit von meinem Mobility Testabo noch weitere Erfahrungen mit carsharing sammeln (aber hoffentlich verleitet so ein MobilityAbo nicht zu sinnlosen Autofahrten, dieses erste Mal hatte ich ja noch die gute Ausrede vom Testbericht auf AUTOLOS...)



2008-04-03 08:30 | Pascal
Mobility in Chur
Du warst beim Quader-Schulhaus, richtig? Dort stehen immer ein paar Mobility-Autos herum. War aber wohl niemand da ausser dir :D

Wie würdest du dann eigentlich den Preis berechnen lassen?
> > > 2008-04-03 09:14 | Florin Jaeger antwortete auf diesen Kommentar mit:
mmh, da habe ich auch noch keine ausgereifte Lösung, aber irgendwie müsste ein Anreiz geschaffen werden, wenig Treibstoff zu verbrauchen, d.h. eine sparsame Fahrweise oder der Einsatz von einem sparsamen Fahrzeug müsste sich im Preis niederschlagen

2008-04-03 15:41 | Rolf Bloch
Kommentar
das Gentlemen Agreement unter den Benutzern besagt, dass bei einer Drittel Füllung getankt werden muss bevor man das Fahrzeug zurückgibt
Gentleman's Agreement? Das ist so vorgeschrieben …
Die zurückgelegte Distanz ist in meinen Augen nicht das ideale Kriterium für die Preisberechnung, schliesslich kann ein Fahrer mit Bleifuss viel höhere (Treibstoff-)Kosten verursachen als ein sparsamer Fahrer
… man zahlt nicht nur für die km, sondern auch für die Zeit. Allerdings gehe ich davon aus, dass der Treibstoffverbrauch ausreichend mit der Distanz korreliert, wobei ich nicht weiss, wie stark die Treibstoffkosten für die Gesamtkosten ins Gewicht fallen. Jedenfalls ist das heutige Preismodell schon kompliziert genug, Mobility sollte es eher noch vereinfachen …
ND: fahrplantechnisch hätte ich die gleiche Reise auch mit dem Zug machen können, der Zeitbedarf für Hin- und Rückfahrt wäre in Summe ein Drittel höher gewesen
… wobei man jeweils zuerst zu einem Mobility-Standort gelangen muss, an dem im gewünschten Zeitraum ein Fahrzeug verfügbar ist. Für mich bedeutet das mindestens 10 Minuten Fussweg, teilweise muss ich dafür den Bus nehmen – das ist ein grosser Nachteil im Vergleich zum eigenen Auto auf dem Parkplatz vor dem Aus; man benötigt mehr Zeit und für den ÖV muss man zusätzlich Geld ausgeben.

Im Grossen und Ganzen bin ich mit Mobility aber auch zufrieden; wir sparen uns so ein zusätzliches Auto … :)

2008-04-04 19:34 | Gabi
Gruss von einer Wagenbetreuerin
"""Die Kundenbetreung bei Mobility funktioniert: heute bekam ich bereits ein Telefonanruf von einer Dame, die sich zu den oben beschriebenen "Mängeln" erkundigen wollte """

Nach diesem Telefon wird der/die zuständige Wagenbetreuerin informiert und die wird im normalfall innert wenigen Tagen den "Schaden" beheben. Es gibt für jedes Auto einen BetreuerIn vor Ort, was aber auch heisst, das einen BetreuerIn auch ein paar Autos haben kann. Der Jobist von diesen Personen. Einmal im Monat das Auto innen und aussen zu reinigen und Wasser/Oel kontrolieren und auffüllen.

Weiterhin viel Spass mit dem Testabo.
Eine Mobility-Wagenbetreuerin
Gabi
> > > 2008-04-04 22:16 | Florin Jaeger antwortete auf diesen Kommentar mit:
Frage: Bist du als Betreuerin auch M. Genossenschafterin oder ist das davon losgekoppelt? Das Konzept leuchtet mir ein. Danke für dein Kommentar, Gabi !

2008-04-04 22:20 | autolos
In der Ausgabe von HEUTE vom Freitag 4. April wurde in der Rubrik "DailyBlogging" ein Hinweis plaziert. Herzlichen Dank!

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