Warum das Auto besser ist als die alternativen Fortbewegungsmittel
09:00 | von: Andreas Hobi | abgelegt unter: lebensqualität

Warum das Auto besser ist als die alternativen Fortbewegungsmittel, oder anders formuliert:
"Was hindert Dich daran, auf Dein Auto zu verzichten?"
Diese Frage stellte ich vor ein paar Tagen hier auf autolos.com. Rund 30 Antworten habe ich seither erhalten. Vorallem auf brainr.de gab es interessante Einblicke in die Autofahrer-Köpfe. Einige brauchbar, andere weniger. :)
Was ich immer wieder höre, sei es nun im Privaten oder auch bei meiner Arbeit, ist das Argument "Unabhängigkeit". Mit dem Auto sei man nun einfach ein mal unabhängiger als mit anderen Fortbewegungsmitteln. In Einzelfällen mag dies zutreffen; wer auf dem Land wohnt, in der Nähe einer Haltestelle, welche nur alle zwei Stunden von einem Bus bedient wird, der will natürlich nur bedingt auf sein Auto verzichten. Und wer um 03:00 Uhr nachts dringend irgendwohin muss, der hat es mit einem Auto einfacher.
Und trotzdem kann man meiner Meinung nach auf ein eigenes Auto verzichten. In Situationen, welche einen PKW erfordern, kann man ja immer noch auf Mobility & Co. ausweichen. Während des Tages jedoch ist man in Regionen, welche durch den ÖV gut erschlossen sind, inzwischen meistens schon fast unabhängiger, wenn man nicht mit dem Auto reist: Keine Parkplatz-Suche in der Innenstadt, gute Umsteigeverbindungen von / auf Bus, Bahn und Schiff, keine Staus. Zumindest auf die Schweiz trifft dies zu. Ausserdem kann man in den Zügen und Bussen arbeiten, lesen, schlafen oder in seinen Gedanken versinken... Das nenne ich Unabhängigkeit!
Gewohnheitstier Mensch
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wer mit einem Auto aufgewachsen ist oder sich jahrelang nur mit Autos fortbewegt hat, der hat Mühe, auf den ÖV umzusteigen. Umgekehrt: Wer (wie ich) ohne Auto, dafür mit dem ÖV aufgewachsen ist, der versteht nicht, wie man so auto-abhängig sein kann und wieso ein Leben ohne Auto so unvorstellbar sein soll. (Zu diesem Thema werde ich übrigens demnächst noch schreiben: "Taxi Mama - Wieso es unklug ist, die Kinder zur Schule zu fahren")Wie bringt man einen Menschen dazu, seine Gewohnheiten zu ändern? Darüber sollten sich die ÖV-Unternehmen mal Gedanken machen. Die tollen Werbeplakate sind ja gut und recht, nur meistens erreichen diese nur die bereits bestehenden Kunden. Die Unternehmen sollten die potentiellen ÖV-Kunden dort abholen, wo der Individualverkehr Schwächen hat:
Die Spritpreise sind wieder einmal gestiegen? Super, schickt sofort ein paar Mitarbeiter an die Tankstellen und lasst die Flyer mit den Preisen der ÖV-Fahrausweise verteilen!
Es staut sich wieder einmal auf der Autobahn? Genial, (falls erlaubt) schickt Mitarbeiter zu den stehenden Autos und lasst sie Werbung für den ÖV machen. Alternativ könnte man auch ein Kleinflugzeug in die Luft schicken, welches ein Werbebanner hinter sich herzieht und so dem Stau entlang fliegt. Oder wie wäre es mit Feldwerbung an Autobahnstrecken, welche äusserst stau-anfällig sind?
In der Zürcher Innenstadt steht ein Auto im Parkverbot, die Busse klemmt schon unter dem Scheibenwischer? Nicht schlecht, klemmt doch gleich noch einen Zettel unter den Wischer mit der Info, wie viele Tage der Besitzer mit dem für die Busse auszugebenden Geld das Zürcher Stadtnetz hätte benutzen können! Beispiele gäbe es noch viele.
Reisedauer & Preis
Ein anderes Argument, das ich immer wieder mal höre: "Der ÖV ist zu langsam." Ist das wirklich so? Ja, der ÖV ist vielfach langsamer. Aber die Unterschiede liegen beinahe immer im tiefen Prozentbereich. Wer die Reisezeiten zwischen ÖV und IV einmal vergleichen will, kann die folgenden Websiten besuchen:Deutschland
ÖV: bahn.de
IV: viamichelin.de
Schweiz / Liechtenstein
ÖV: sbb.ch
IV: viamichelin.ch
Österreich
ÖV: oebb.at
IV: viamichelin.de
Im gleichen Atemzug wie die Reisedauer wird jeweils auch der Preis genannt. Der ÖV sei schlicht und einfach viel zu teuer! Ich frage mich: Wieso hält sich dieses Gerücht über Jahre hinweg? Schauen wir uns doch einfach einmal die Fakten an:
Ein IV-Kilometer kostet in der Schweiz im Schnitt CHF 0.76 (Quelle: TCS) und in Deutschland und Österreich EUR 0.55 (Quelle: ADAC).
Zwei Beispiele:
Die Strecke München - Hamburg dauert mit der Bahn 6:53 Stunden und kostet im Normalpreis 122.00 Euro. Mit dem Auto ist man 14 Minuten schneller (3.4%), man bezahlt aber für die 774 Kilometer stolze 425 Euro, also das 3.4-fache. Hier lohnt sich das Auto aus finanziellen Gründen erst, wenn vier erwachsene Personen ohne Ermässigungskarten eine Reise machen wollen.
In der Schweiz braucht man von Chur nach Genf 4:06 Stunden und die Reise kostet ohne Halbtax (Ermässigungskarte 50%) genau 101.00 Franken. Mit dem Auto reist man 4:05 Stunden (= 1 Minute weniger) und man bezahlt für die 394 Kilometer um die 295.50 Franken. Immerhin fast das Dreifache!
Die Zeit- und Preis-Argumente sind also nicht wirklich stichhaltig. Es handelt sich dabei eher um Ausreden. Es gibt nicht wirklich viele Punkte, welche für ein eigenes Auto sprechen. Insbesonders dann nicht, wenn man die Möglichkeit hat, in "Ausnahmesituationen" ein Auto zu mieten. Oft ist es einfach nur der innere Schweinehund, welcher das Umsteigen verhindert.
Zum Schluss noch einige witzige Antworten, welche ich auf meine Frage bei brainr.de erhalten habe. Was hindert Dich daran, auf Dein Auto zu verzichten?:
- Die Frau natürlich
- Mein Mann
- meine Dummheit
- meine asoziale Ader
- meine fehlende Intelligenz
- meine 150 kg
- meine Lust an der Zerstörung der Umwelt
- ich liebe es stundenlang durch die Gassen einer Stadt zu fahren und einen Parkplatz zu suchen
- mit der Bahn bequem in die Stadt - ist doch nur was für Weicheier
- Ich liebe Staus
Bild © (cc) Velaia (ParisPeking) (flickr.com)
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